Biografie

Geboren im Bergischen Land. Da wohnen Menschen mit steifem Rücken. Der verhindert Verbeugungen vor Fürsten, Pfaffen, Leutnants, Fabrikbesitzern und anderen Obrigkeiten. Und mit störrischem Kopf. Der sorgt fürs Eigene. Der bergische Mensch ist eigen. So kann man das sagen.

Rauswurf mit Ansage

Volksschule (so hieß das früher) und Gymnasium in Solingen-Wald, in der Unterprima (so hieß das früher) sitzengeblieben, nach kurzer Zeit in der Wiederholungsklasse unhöflich zum Abgang gedrängt – wegen allerlei Schabernack und Unbotmäßigkeiten, auch durch Mitwirkung an der Schülerzeitung. Von da an war klar: Berufswunsch Journalist.

Uniform statt Uni – vorerst

Aber zuerst mal das Abitur nachholen. Bloß wie? Die Bundeswehr drohte, Ersatzdienst war keine Alternative – Dienstort und -zeiten waren unvorhersehbar. Also: Polizei. Zweieinhalb Jahre Polizeidienst befreien von der Wehrpflicht, die Polizeischule war in Münster, die Dienstzeiten übersichtlich. Es wurden dann dreieinhalb Jahre: Ein Jahr Münster, eineinhalb Jahre Bereitschaftspolizei in Bochum, ein Jahr Streifenpolizist in Düsseldorf. Über ein Fernlehrinstitut Vorbereitung auf das Externabitur („Nichtschüler-Reifeprüfung“) 1967 in Düsseldorf. Weg von der Polizei, rein ins Studium: Philosophie, Germanistik, Pädagogik an der Universität zu Köln – Voraussetzung für das Lehramt an der gymnasialen Oberstufe.

Vom Denker zum Schreiber

Das sollte es aber noch nicht sein. Noch ein bisschen weiter studiert, um den Doktor zu machen (Promotion in Philosophie, Dissertation über Ernst Bloch), dann serienweise Bewerbungen für ein Volontariat bei einer Zeitung, serienweise Absagen, bis es dann beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ klappte. Nach dem Volontariat dort Nachrichtenredakteur und Autor von Kommentaren und Reportagen auch in anderen Ressorts. Die Reportagenreihe über reformpädagogische Schulen wurde zur Grundlage des ersten Buches: „Alternative Schulen“ im Fischer Taschenbuch-Verlag.

Hand am Mikrofon statt am Puls

Radio war zunächst meine Liebe auf den zweiten Blick – denn eigentlich war Schreiben immer mein Ding, und ich stellte mir vor, irgendwann Chefreporter bei einer großen Zeitung zu werden. Immer nach dem beliebten Klischee: „Die Hand am Puls der Zeit“. Bei der Zeitung wurde nichts draus, also schaute ich mich um und fand lauter Angebote von Radiosendern. Bei „SWF3“, dem Erfolgsprogramm des Südwestfunks, bleibe ich dann hängen. Moderator der Frühsendung „Litfaßwelle“, Reporter, Redakteur, Autor. Ein gutes Gefühl, Teil dieser in der deutschen Radiolandschaft einzigartigen Erfolgsgeschichte gewesen zu sein und zu ihr einiges beigetragen zu haben. SWF3 war ein Phänomen. Ein öffentlich-rechtlicher Radiosender, der so un-öffentlich-rechtlich war wie nur möglich. Massenattraktiv, populär, und doch anspruchsvoll. Unterhaltsam, aber blubbern verboten. Informativ, aber kurz und auf den Punkt. Hart aber fair. Viel kritisiert und doch maximal erfolgreich. Beginnend Mitte der 70er, anhaltend in den 80ern bis in die späten 90er war SWF3 für Millionen Menschen DER Radiosender und oft weit mehr als das. – Gregor Glöckner hat ehemalige Mitarbeiter, Macher, Moderatoren interviewt und daraus ein großes Projekt bei Spotify gemacht. GREGOR GLÖCKNER: SWF 3 - Das Phänomen (Interview mit Peter Zudeick) „Von der Zeitung in Köln zu einem Radiosender in Baden-Baden: Zwei sehr unterschiedliche Gewerke, aber keine wirkliche Herausforderung für einen wie Peter Zudeick. Am Ende geht es immer um guten und konsequenten Journalismus, das ist für ihn klar. Das gilt auch für die spannenden Jahre als politischer SWF(3)-Korrespondent in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Peters ganz andere Rolle im Radio: die politische Comedyfigur Anton Käsmann zu kreieren und zu sprechen. Frittenbrater kommentiert im rheinischen Singsang die Bundespolitik. Einmalig.“

Peter Zudeick – Korrespondent und Frittenbrater (Link zu Spotify)

So ganz ohne Zeitung ging es aber auch beim Radio nicht. Zumindest in den ersten Jahren habe ich immer mal wieder geschrieben: Kölner Stadt-Anzeiger, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, FR, FAZ-Magazin, Woche, Transatlantik.

1984 der Sprung in die Selbständigkeit

Was ich mir von Anfang an ge­wünscht hatte, ohne zu wissen, was das eigentlich ist: Freier Journalist. Nun war ich es. Natürlich weiter als Moderator und Autor für "mein" SWF3, nach und nach politischer Korrespondent für die gesamte ARD, im Lauf der Zeit für über zwanzig Radiopro­gramme und bei einigen auch als Moderator: RIAS 2, NDR 2, RB 2, Nordwestradio, SWR 2, HR 1, HR 2, WDR 5.